“Nur wer achtet, kann geachtet werden.“ Menschenwürde – Menschenrechte: Anspruch und Wirklichkeit

Vortrag von Dr. Michael Jeske, Philosoph, am 28. September 2020 im Bürgerhaus Mainz-Kostheim.

In seinem Vortrag ging es Michael Jeske darum, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass wir den Wert der  Menschenwürde gerade angesichts ihrer gegenwärtigen Missachtung und Verletzung im Umgang mit Geflüchteten, die katastrophalen Verhältnisse der griechischen Flüchtlingslager vor Augen,  nicht preisgeben dürfen.

Die von Günter Anders gewählte und von Michael Jeske für den Titel seines Vortrags übernommenen Formulierung, »Nur wer achtet, kann geachtet werden«, verweist auf die Notwendigkeit, die Prinzipien der politisch-praktischen Teilhabe und des Dialogs auf der Handlungsebene zur Geltung zu bringen.

Unterbaut wurde dieser Grundgedanke im Verlauf des Vortrags

1. durch ideengeschichtliche Betrachtungen über den beschwerlichen  Weg von der Würde des Menschen zur Menschenwürde,

2. in Darstellung des Wechselbezugs zwischen dem Wert der Menschenwürde als oberster Rechtsnorm und den nach dem Zivilisationsbruch des Faschismus etablierten Menschenrechten in der internationalen Politik;

3. mit Überlegungen zur Menschenwürde im Anschluss an Avishai Margalits Politik der Würde, die mit ihrer Forderung einer „anständigen Gesellschaft“ Kriterien dafür liefert, gängige Praxisformen (in individueller und institutioneller Hinsicht) kritisch zu überdenken.

Jeske zeigte, wie in dieser Perspektive Möglichkeiten erwachsen, sich gegen eine Praxis der Demütigung von Menschen zu wehren und eine Politik wechselseitiger Achtung zu begründen und zu fördern.

Der gesamte Vortrag von Dr. Michael Jeske zum (Nach)hören.

Angekommen regelmäßig auf Radio Rheinwelle

Zum ersten Mal ging Angekommen am Freitag, den 18. September bei “Radio Rheinwelle” auf Sendung und künftig werden wir dort regelmäßig monatlich freitags von 17.00 – 18.00 Uhr eine Stunde lang das Zusammenleben von Deutschen und Migranten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven diskutieren. Im Mittelpunkt der ersten Sendung standen die Arbeit des Vereins Angekommen Wiesbaden e.V. und Erfahrungen von Geflüchteten und Migranten beim Deutschlernen und bei der Jobsuche.

In der nächsten Sendung am Freitag, den 18. Oktober, ist der Sozialpsychologe Dr. Bernard Görlich zu Gast zum Thema “Ohne Angst verschieden sein”. Weitere Sendungen: 13. November und 11. Dezember 2020 auf 92,5 UKW oder im Internet.

Summer-School 2020

“Es war eine sehr interessante Woche, und ich habe viel Neues in Wiesbaden und der Umgebung kennengelernt”, sagt Ayman Khadrou, Teilnehmer der Summer-School 2020. Eine Woche lang haben die Teilnehmer*innen ganztags Exkursionen vorbereitet, Referate dazu gehalten und dabei ganz selbstverständlich Deutsch miteinander gesprochen.

Zunächst sah es so aus, als müsste die Summer-School in diesem Jahr wegen Covid 19 ausfallen.

Denn viele Institutionen sind für Besucher weiterhin geschlossen und Exkursionen stehen bei diesem Intensiv-Deutschkurs im Mittelpunkt. Doch das strahlende Spätsommerwetter ermöglichte es, das erfolgreiche Format kurzfristig vom 5. – 13. September durchzuführen, vorwiegend unter freiem Himmel.

Nach gründlicher Vorbereitung ging es zu einer Stadt- und Kurpark-Rallye in Wiesbaden, nach Rüdesheim und zur Burg Rheinstein

sowie nach Mainz mit einem Besuch des Gutenberg-Museums.

Der Höhepunkt war jedoch zweifellos die Einladung des Aero-Clubs Nastätten. Der Rundgang und die überzeugende Einführung in die Technik des Segelfliegens auf dem Flughafen des Clubs überzeugte, so dass alle zu einem Rundflug “abheben” wollten und konnten – mit einem herzlichen Dankeschön an den Aero-Club.

Auch unsere Dialogreihe geht weiter:

Ohne Angst verschieden sein“ – Identität in Zeiten der Verunsicherung.

Am 28.8.2020 konnten wir nach langer Pause – unsere letzte Veranstaltung im März musste Corona bedingt leider ausfallen – im Bürgerhaus Erbenheim wieder einen Vortrag anbieten. Der Sozialpsychologe Dr. Bernard Görlich sprach zum Thema Identität.

Trotz der starken Einschränkungen fanden 33 Interessierte den Weg nach Erbenheim und zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer beteiligten sich im Anschluss an den Vortrag an der von dem Soziologen Dr. Hermann Schäfer moderierten Diskussion.

Im Nachdenken über Identität setzte Bernard Görlich Erkenntnisse der Philosophie,  der Sozialwissenschaften und der Psychologie miteinander in Beziehung.. An literarischen Beispielen, aber auch im Blick auf Erlebnisberichte von Menschen, die über ihre Flucht- und Migrationserfahrungen Auskunft geben, spürte er die Gefühle auf, die in Identitätskonflikten zum Ausdruck gelangen.

Im ersten Teil des Vortrags dienten Betrachtungen zur gegenwärtigen Corona-Krise dazu, die Aktualität des Phänomens „Identität in Zeiten der Verunsicherung“ aufzuweisen. Sodann wurde gezeigt, wie sich Vorstellungen über Identität (in den Wissenschaften, aber auch im Alltagsverständnis) mit den sich beschleunigt wandelnden  sozioökonomischen und kulturellen Bedingungen unserer Welt verändern.

Im zweiten Teil stand die individuell-subjektive Seite der Identität in ihren vielfältigen Facetten im Zentrum: das in ihr gelagerte Potential zur Gestaltung von Lebensentwürfen, ihr inwendiger Bezug zu lebensgeschichtlichen Konflikten, das Merkmal der Ambivalenz, das in Rekonstruktion der allerersten Etappen unseres Erlebens aufzuspüren ist und von da an die Entwicklung der Identität folgenreich bestimmt.

Im dritten Teil  des Vortrags ging es um die Suchbewegung, die von der Ich- zur Wir-Identität führt. In diesem Kontext stand das Verhältnis des Eigenen zum Anderen, zum Fremden, zur Debatte; sodann die besondere Situation, in der sich die Identitätsproblematik von Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrungen darstellt. Gesucht wurden Antworten auf die zentrale Frage: Unter welchen  Bedingungen kann Identität gelingen, unter welchen Bedingungen ist sie zum Scheitern verurteilt? 

Mit dem am Ende der Betrachtungen stehenden Gedicht von Günter Kunert – „Wie ich ein Fisch wurde“ – wies Bernard Görlich Bezüge zu dieser Antwortsuche auf.

Die folgende Audiodatei enthält den gesamten Vortrag zum Nachhören.

Der Unterricht geht weiter – unter veränderten Bedingungen

Nachdem die Kurse von Angekommen nach dem Lockdown im März zunächst ausgesetzt werden mussten, findet seit Ende Mai wieder Präsenzunterricht an verschiedenen Standorten statt. Um die notwendigen Abstandsregeln einzuhalten, wird jedoch lediglich in kleinen Gruppen bis zu 5 Personen gelernt. Für alle Unterrichtsräume wurde ein Hygienekonzept nach den Vorgaben des Hessischen Sozialministeriums erarbeitet, das größtmöglichen Schutz vor Infektionen bietet.

Die Wiederaufnahme bzw. die Neuorganisation der Kurse hat das Organisationsteam von Angekommen vor besondere Herausforderungen gestellt. Dennoch ist es uns gelungen an sechs Standorten wieder regelmäßig 18 Basiskurse (von A1 bis B2) und 4 Konversationskurse aufzunehmen. Hinzu kommen zweimal wöchentlich E-Learning und zahlreiche Einzelbetreuungen von Schülern und Auszubildenden.

Neuanmeldungen für Präsenzkurse sind derzeit nicht möglich und können erst dann wieder aufgenommen werden, wenn ausreichend Ehrenamtliche als Kursleiter*innen zur Verfügung stehen.

Da die Nachfrage nach Deutschkursen jedoch nach wie vor groß ist und wir möglichst vielen Interessierten die Möglichkeit geben möchten, Deutsch zu lernen, haben wir in den letzten Monaten ein digitales Lernangebot aufgebaut:

Unter der Anleitung/Betreuung von Tutor*innen von Angekommen können Interessierte über das Lernportal der Volkshochschule (VHS) digital ihr Deutsch verbessern, von Niveau A1 bis B2-Beruf. Mehr als 50 Geflüchtete und Migranten nutzen derzeit aktiv dieses Angebot.

Anmeldungen zum digitalen Lernen finden mittwochs von 12.00 – 12.45 Uhr in der Kleinen Schwalbacher Straße 3-5 statt.

Kursteilnehmer sowie Ehrenamtliche können sich zur Information und zur Anmeldung zum digitalen Lernen an das Projektbüro wenden. Kontakt: 0179 4330037 oder info@angekommen-wiesbaden.de

Erste Hilfe am Kind

Erstmalig bot “Angekommen” am 9. November einen Kurs “Erste Hilfe am Kind” an. Er richtete sich hauptsächlich an die für uns tätigen Kinderbetreuerinnen, war aber auch für andere Interessierte offen. Für Kinderbetreuung war natürlich gesorgt, so dass insgesamt 12 Frauen teilnehmen konnten.