Auch unsere Dialogreihe geht weiter

Am 28.8. konnten wir nach langer Pause – unsere letzte Veranstaltung im März musste Corona bedingt leider ausfallen – im Bürgerhaus Erbenheim wieder einen Vortrag anbieten. Der Sozialpsychologe Dr. Bernard Görlich sprach zum Thema

„Ohne Angst verschieden sein“ – Identität in Zeiten der Verunsicherung.

Trotz der starken Einschränkungen fanden 33 Interessierte den Weg nach Erbenheim und zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer beteiligten sich im Anschluss an den Vortrag an der von dem Soziologen Dr. Hermann Schäfer moderierten Diskussion.

Im Nachdenken über Identität setzte Bernard Görlich Erkenntnisse der Philosophie,  der Sozialwissenschaften und der Psychologie miteinander in Beziehung.. An literarischen Beispielen, aber auch im Blick auf Erlebnisberichte von Menschen, die über ihre Flucht- und Migrationserfahrungen Auskunft geben, spürte er die Gefühle auf, die in Identitätskonflikten zum Ausdruck gelangen.

Im ersten Teil des Vortrags dienten Betrachtungen zur gegenwärtigen Corona-Krise dazu, die Aktualität des Phänomens „Identität in Zeiten der Verunsicherung“ aufzuweisen. Sodann wurde gezeigt, wie sich Vorstellungen über Identität (in den Wissenschaften, aber auch im Alltagsverständnis) mit den sich beschleunigt wandelnden  sozioökonomischen und kulturellen Bedingungen unserer Welt verändern.

Im zweiten Teil stand die individuell-subjektive Seite der Identität in ihren vielfältigen Facetten im Zentrum: das in ihr gelagerte Potential zur Gestaltung von Lebensentwürfen, ihr inwendiger Bezug zu lebensgeschichtlichen Konflikten, das Merkmal der Ambivalenz, das in Rekonstruktion der allerersten Etappen unseres Erlebens aufzuspüren ist und von da an die Entwicklung der Identität folgenreich bestimmt.

Im dritten Teil  des Vortrags ging es um die Suchbewegung, die von der Ich- zur Wir-Identität führt. In diesem Kontext stand das Verhältnis des Eigenen zum Anderen, zum Fremden, zur Debatte; sodann die besondere Situation, in der sich die Identitätsproblematik von Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrungen darstellt. Gesucht wurden Antworten auf die zentrale Frage: Unter welchen  Bedingungen kann Identität gelingen, unter welchen Bedingungen ist sie zum Scheitern verurteilt? 

Mit dem am Ende der Betrachtungen stehenden Gedicht von Günter Kunert – „Wie ich ein Fisch wurde“ – wies Bernard Görlich Bezüge zu dieser Antwortsuche auf.

Der Unterricht geht weiter – unter veränderten Bedingungen

Nachdem die Kurse von Angekommen nach dem Lockdown im März zunächst ausgesetzt werden mussten, findet seit Ende Mai wieder Präsenzunterricht an verschiedenen Standorten statt. Um die notwendigen Abstandsregeln einzuhalten, wird jedoch lediglich in kleinen Gruppen bis zu 5 Personen gelernt. Für alle Unterrichtsräume wurde ein Hygienekonzept nach den Vorgaben des Hessischen Sozialministeriums erarbeitet, das größtmöglichen Schutz vor Infektionen bietet.

Die Wiederaufnahme bzw. die Neuorganisation der Kurse hat das Organisationsteam von Angekommen vor besondere Herausforderungen gestellt. Dennoch ist es uns gelungen an sechs Standorten wieder regelmäßig 18 Basiskurse (von A1 bis B2) und 4 Konversationskurse aufzunehmen. Hinzu kommen zweimal wöchentlich E-Learning und zahlreiche Einzelbetreuungen von Schülern und Auszubildenden.

Neuanmeldungen für Präsenzkurse sind derzeit nicht möglich und können erst dann wieder aufgenommen werden, wenn ausreichend Ehrenamtliche als Kursleiter*innen zur Verfügung stehen.

Da die Nachfrage nach Deutschkursen jedoch nach wie vor groß ist und wir möglichst vielen Interessierten die Möglichkeit geben möchten, Deutsch zu lernen, haben wir in den letzten Monaten ein digitales Lernangebot aufgebaut:

Unter der Anleitung/Betreuung von Tutor*innen von Angekommen können Interessierte über das Lernportal der Volkshochschule (VHS) digital ihr Deutsch verbessern, von Niveau A1 bis B2-Beruf. Mehr als 50 Geflüchtete und Migranten nutzen derzeit aktiv dieses Angebot.

Anmeldungen zum digitalen Lernen finden mittwochs von 12.00 – 12.45 Uhr in der Kleinen Schwalbacher Straße 3-5 statt.

Kursteilnehmer sowie Ehrenamtliche können sich zur Information und zur Anmeldung zum digitalen Lernen an das Projektbüro wenden. Kontakt: 0179 4330037 oder info@angekommen-wiesbaden.de

Erste Hilfe am Kind

Erstmalig bot “Angekommen” am 9. November einen Kurs “Erste Hilfe am Kind” an. Er richtete sich hauptsächlich an die für uns tätigen Kinderbetreuerinnen, war aber auch für andere Interessierte offen. Für Kinderbetreuung war natürlich gesorgt, so dass insgesamt 12 Frauen teilnehmen konnten.

Engagementkongress in Fulda

Wir wären präsent auf dem Hessischen Engagementkongress in der Hochschule in Fulda, der am 25./26. September stattfand. Ziel der Veranstaltung war der Austausch zwischen ehrenamtlich und hauptamtlich tätigen Organisationen. Für uns war dieses Treffen wertvoll, weil wir mit anderen Akteuren Kontakte knüpfen und uns vernetzen konnten.

Wiesbadener Integrationslotsinnen und Integrationslotsen am Start

Nach 36 Stunden Qualifizierung war es soweit: 15 Integrationslotsinnen und -lotsen erhielten ihre Zertifikate, darunter 5 Kursteilnehmerinnen von Angekommen Wiesbaden e.V.

Ihre Aufgabe: Sie unterstützen Zuwanderer ohne ausreichende Deutschkenntnisse, sie helfen im Alltag beim Ausfüllen von Formularen, dem Besuch bei Behörden oder begleiten zu Arztbesuchen und nehmen Kontakt zu Vereinen oder Freizeiteinrichtungen auf. Auf dieses Ehrenamt wurden sie im Rahmen des WIR-Programms des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration vorbereitet.

Die Qualifizierung hat MigraMundi organisiert, die Koordination der Einsätze übernehmen die Vereine KUBIS (Tel: 0611 7247963) und Angekommen Wiesbaden (Tel: 0177 3144199). Anfragen können Ämter, Behörden, Schulen, Kitas, Vereine und andere mehr, aber auch die betroffenen Menschen selber.

Raus aus den Unterrichtsräumen, rein in die Stadt

Ämter und Behörden in Wiesbaden sind Menschen mit Fluchterfahrung und Migranten meist sehr vertraut. Angekommen Wiesbaden e.V. möchte seinen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern jedoch auch zeigen, was die Stadt und ihre Umgebung zu bieten hat.

In den letzten Wochen fanden deshalb gleich mehrere Exkursionen statt:

Nach einer Besichtigung der außergewöhnlichen Lutherkirche machten sich alle auf den Weg nach oben, auf den Turm der Kirche. Belohnt wurde der etwas mühsame Aufstieg mit einem neuen  Blick auf die Stadt.

Die Jugendstil-Ausstellung war die Attraktion bei einem gemeinsamen Besuch des Hessischen Landesmuseums unter fachkundiger Führung der Kunstpädagogin Karin Payne-Stern.

Für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es der erste Besuch eines Wiesbadener Museums.

Frankfurt am Main war das Ziel einer weiteren Exkursion: Der Römer, die Paulskirche, ein Blick vom Eisernen Steg auf die Hochhäuser sowie ein Besuch der neuen Altstadt und des Struwwelpeter-Museums standen auf dem Programm.

Künftig werden regelmäßig Unternehmungen im Rahmen des Projektes „Meine Stadt und ihre Umgebung“ organisiert, um Menschen mit Fluchterfahrungen und Migranten mehr Teilhabe in ihrer neuen Heimatstadt zu ermöglichen und ihnen Anregungen dazu geben, solche Ausflüge auch gemeinsam mit ihren Familien zu machen.

Internationales Sommerfest

Zum ersten Mal präsentierte sich am 7. September “Angekommen Wiesbaden e.V. ” auf dem Internationalen Sommerfest auf dem Schloßplatz in Wiesbaden. Es ging darum, die Öffentlichkeit, aber vor allem Geflüchtete und Migranten über die Deutschkurse des Projektes zu informieren und potentielle Ehrenamtliche für einen Einsatz als Lehrkraft zu gewinnen. Trotz heftiger Regenschauer besuchten auch zahlreiche Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer den Stand von “Angekommen”.

Internationales Sommerfest 7.9.2019

“In diesen zwei Wochen haben wir viel gelernt” – Die Summer-School 2019

“In diesen zwei Wochen haben wir viel gelernt, viele Informationen gesammelt, und ich bedanke mich bei meinen Lehrerinnen. Sie haben uns wichtige Orte ausgesucht und wir haben viel Spaß miteinander”, faßt Baktash seine Erfahrungen der ersten Summer-School zusammen. Als großen Erfolg werteten auch die weiteren  14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer  den etwas anderen Deutsch- Intensivkurs vom 1. – 12. Juli 2019. Das Konzept: Ganztägiger Unterricht mit verschiedenen Exkursionen, um die Stadt und ihre Umgebung  besser kennenzulernen. Diese Aktivitäten  sowie deren Vor- und Nachbereitung sollen gleichzeitig  Kommunikationsanlässe bieten.

Eine Besichtigung des Schläferskopfstollens war Anlass, sich mit dem Thema Wasser auseinanderzusetzen.

Bei einer Stadtteil-Begehung in Biebrich wurden Wohnquartiere verglichen, ein Workshop der Polizei mit Rollenspielen gab Hinweise, wie man sich vor Gewalt schützt.

Bei einer Führung im Zweiten Deutschen Fernsehen in Mainz konnte man erfahren, wie Sendungen produziert werden.

Eine zentrale Rolle spielte das Thema Ausbildung und Arbeit. Welche Rolle spielt das Job-Center, welche Ausbildungswege können  Handwerkskammer bzw. Industrie- und Handelskammer aufzeigen?

In Referaten und vor Ort in den Lehrwerkstätten der Handwerkskammer gab es dazu praktische Tipps, ebenso in  Rollenspielen  zu Vorstellungsgesprächen.

“Nur Deutsch sprechen während des gesamten Unterrichts” war die klare Ansage der vier Kursleiterinnen. Und das war eine ziemliche Herausforderung für die überwiegend jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer.  Spiele zur Teambildung oder einfach nur zur Unterhaltung boten  deshalb willkommene Unterbrechung und Abwechslung.

Ein Kunstworkshop am Ende der Summer-School gab dann noch einmal Gelegenheit für ganz neue Erfahrungen eigener Kreativität. “Das werde ich nächste Woche meiner Frau zum Geburtstag schenken”, strahlt Vinay. Wie die meisten anderen der Summer-School hat er zum ersten Mal mit Pinsel und Farbe gemalt.